Kennst du diesen Moment, wenn du in der Küche stehst und dir besonders viel Mühe gibst, deiner Partnerin bzw. deinem Partner ein besonders schönes Abendessen zu bereiten. Ihr sitzt am Tisch – und du erwartest, dafür mindestens etwas Anerkennung zu bekommen? Stattdessen erzählt er bzw. sie begeistert von Erlebnissen im Job. Du musst schon nachfragen, ob’s schmeckt und du bekommst ein müdes „Ja, gut“. Autsch. So viel zum Thema Bedeutsamkeit.
Bedeutsamkeit, das klingt erstmal nach Bühnenlicht, Applaus und vielleicht einer Fußnote in einem Wikipedia-Artikel. In Wirklichkeit bedeutet es: Ich will gesehen werden. Gehört werden. Und bitte – nicht übersehen werden, wenn ich großartige Dinge tue. Zum Beispiel, das richtige Waschmittel im Supermarkt kaufen. Ohne Spickzettel!
- Bedeutsamkeit fängt früh an
Schon das Kleinkind brüllt „Guck mal!“, während es mit einem Filzstift die Wand in ein Kunstwerk verwandelt. Das Bedürfnis, wichtig zu sein, beginnt also früh – und bleibt. Später werden daraus große Dinge: Für den Unterhalt der Familie sorgen, im Haushalt Ordnung halten, den Familienurlaub organisieren oder beim Elternabend glänzen („Ja, ich habe alle Mails gelesen“).
Aber wehe, man wird übersehen.
Dann reagiert der Mensch auf zwei Arten: entweder mit beleidigtem Rückzug – oder mit lautstarkem „Guck mal!“ in erwachsener Variante (gibt’s auch noch): „Ich verdiene schließlich das Geld, das sollte wohl reichen, um zu zeigen, wie viel du mir bedeutest!“ – Denkste! Denn: Was du gibst, zählt nur, wenn es beim anderen auch als wertvoll ankommt.
- Das Missverständnis der eigenen Großartigkeit
Wer kennt es nicht: Du fühlst dich wie der große Held, weil du deiner Partnerin eine Fußmassage anbietest – sie aber hätte lieber ein „Ich liebe dich“ gehört. Oder ein heißes Bad. Oder fünf Minuten Ruhe. Unsere Interpretation von „ich zeig dir, dass du wichtig bist“ ist eben nicht automatisch identisch mit dem, was der andere wirklich braucht.
Vielleicht will dein Partner gar keine Komplimente – sondern einfach nur, dass du beim gemeinsamen Abendessen nicht aufs Handy schaust oder dass er ab und an einen Begrüßungskuss bekommt. Vielleicht fühlt sich deine Frau nicht dadurch bedeutend, dass du ihren Wagen wäschst, sondern dadurch, dass du ihre Hand nimmst, wenn ihr auf Partys seid. Kleine Dinge, große Wirkung.
- Hollywood oder Herzblut?
Achtung, Warnsignal: Wenn dir deine Bedeutsamkeit wichtiger ist als die Partnerschaft, dann droht das Hollywood-Syndrom. Du bist dann der Star auf deinem inneren roten Teppich – einsam, aber mit ordentlich Applaus im Kopf. Bedeutsamkeit, die auf Dauer wichtiger ist als Liebe und Verbundenheit, führt geradewegs in die Vereinsamung. Selbst mit 10.000 Followern.
Viele Stars sind am Ende nicht berühmt, sondern einfach nur allein. Und das, obwohl sie so gerne bedeutsam und geliebt gewesen wären. Vielleicht sogar gerade deshalb. Applaus ersetzt keine Umarmung. Likes kein echtes „Ich bin froh, dass es dich gibt.“
- Der Übergang in den Ruhestand – oder: Wenn der Applaus plötzlich ausbleibt
Ein besonders empfindlicher Moment: Der Eintritt in den Ruhestand. Vorher warst du „Herr Doktor“, „die Chefin“, „der Einzige, der das Chaos beherrscht“. Und dann? Bist du einfach nur … da. Morgens um neun im Bademantel, mit fragender Leere im Blick und dem ersten Kaffee in der Hand.
Jetzt beginnt die große Sinnfrage: „Was bleibt von mir übrig, wenn niemand mehr fragt, was ich denke?“ Für viele Paare ist das eine Zeit, in der sich Rollen neu definieren müssen. Und nein, du musst nicht jeden Tag den Wäschekorb leer machen, um bedeutsam zu sein. Aber etwas musst du tun: dich kümmern. Um dich. Und um den anderen. Sonst steht einer bald mit gepackten Koffern vor der Tür – nicht, weil er dich nicht liebt, sondern weil er sich nicht bedeutsam fühlt.
- Kleine Geste, große Wirkung
Die gute Nachricht: Bedeutsamkeit hat einen niedrigen Einstiegspreis. Man muss nicht gleich den Friedensnobelpreis gewinnen. Ein liebevoller Blick, echtes Zuhören, ein bewusstes „Wie war dein Tag?“ – all das sind VIP-Tickets in der Welt des anderen. Und wer sich gesehen fühlt, der blüht auf. Der will bleiben.
Also: Heute Abend mal nicht ins Fernsehen starren, sondern in die Augen deines Partners. Und wenn du wirklich mutig bist: Sag ihm oder ihr, warum er oder sie für dich bedeutsam ist.
Spoiler: Es muss nicht Shakespeare sein. Manchmal reicht ein einfaches „Du bist echt mein Lieblingsmensch.“
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